Kaarster Seniorenforum
„Langeweile muss niemand haben“
Von Rudolf Barnholt
Diskussionen, Darbietungen und jede Menge Informationen : Das erste Kaarster Seniorenforum zeigte die Vielfalt der Möglichkeiten auf, die Kaarster Senioren offen stehen und die von vielen bereits genutzt werden. Und es thematisierte Aktuelles wie „Neues Wohnen im Alter “.
Premiere in Kaarst: Beim ersten Seniorenforum wurde eine breite Themenpalette angesprochen. Elf Aussteller präsentierten sich zudem in der Rathausgalerie. Eines wurde dabei schnell deutlich: Langeweile braucht kein älterer Mensch zu haben.
Sozialdezernent und Erster Beigeordneter Heinz Dieter Vogt war schon zu früher Stunde zu Scherzen aufgelegt: „Die Jugendforen kommen erst deutlich später in Gang, man merkt, dass die älteren Leute weniger Schlaf brauchen.“ Tatsächlich war die Resonanz auf das erste Kaarster Seniorenforum bereits am Samstag Vormittag gut.
Die elf Aussteller präsentierten in der Rathausgalerie ihre Angebote speziell für ältere Menschen - da waren nicht nur Neubürger beeindruckt. Dabei herrschte keineswegs nur satte Selbstzufriedenheit: So wurden Unterschriften gesammelt für einen Seniorenbeauftragten und auch in Bezug auf mögliche Wohnformen im Alter gab es Interesse an Alternativen, die in Kaarst noch angeboten werden. Eines steht fest: Langeweile muss in Kaarst kein älterer Mensch haben, der sich noch einigermaßen guter Gesundheit erfreut.
Der Kaarster Künstler Burkhard Siemsen warb für ein ganztägiges Glasmalerei-Seminar am 27. November, die Volkshochschule hatte ein kleines Heft mit weiteren Angeboten zusammengestellt, die besonders für Senioren von Interesse sind. Else Steins betreut seit 1987 die mittlerweile 400 Mitglieder starke Seniorenabteilung der SG Kaarst.
Sie wies auch auf die geselligen Aktivitäten hin: „Wir unternehmen Busreisen, machen Stadtführungen mit, treffen uns zum Martinsgansessen und zur Weihnachtsfeier.“ Einer älteren Neubürgerin gab Heidi Becker von der Pfarrgemeinde St. Martinus folgendes zu verstehen: „Wir sind sehr aktiv, sitzen nicht nur da und trinken Kaffee.“
Als Beweis folgte wenig später der Sitz-Tanz, dargeboten von Seniorinnen der Pfarrgemeinde. Auch die übrigen Kirchengemeinden präsentierten ihre Angebote für ältere Menschen. Karin Thierling-Müller stellte mit ihrem Team das „Haus der Senioren“ vor. Für die stationäre Betreuung warben der Johanniter-Stift, das Vinzenzhaus und das Haus St.-Aldegundis Büttgen. Claudia Jovanic, Leiterin des Hauses der Johanniter, machte keinen Hehl daraus, dass jeder so lange es irgend geht in seinen eigenen vier Wänden bleiben möchte.
Für diesen Personenkreis gibt es die häusliche Pflege, den Behindertenfahrdienst, den Öffentlichen Personennahverkehr - für den Elke Wünnecker vom städtischen Planungsamt warb - und einiges mehr. Ein Trostpflaster für alle Senioren, die um eine stationäre Unterbringung nicht mehr herumkommen: „Wir berücksichtigen die individuellen Lebensgewohnheiten, soweit dies für eine Institution machbar ist“, gab Petra Kinzel vom Haus des Johanniter-Stiftes zu verstehen.
„Es läuft verhalten“, meldete Sabine Richterich, Mitinitiatorin des Bürgerbegehrens für einen Seniorenbeauftragten. Ihre Mitstreiterin Claudia Trapp warb für neues Wohnen im Alter, wie vom gleichnamigen Verein aus Köln propagiert. Ernste Themen blieben nicht außen vor - dafür sorgten Alzheimer-Gesellschaft und Hospizbewegung. Ist Kaarst auch im Alter der richtige Ort? „Wir möchten in Kaarst alt werden - das ist aktueller Diskussionsstand zwischen mir und meiner Frau“, gab dann auch Kaarsts Bürgermeister Franz-Josef Moormann gegenüber der NGZ zu verstehen.
INFO: Erstes Kaarster Seniorenforum
Reinhold Gnacinski, Vorsitzender der Senioren-Union und Mitglied des Arbeitskreises, der das erste Kaarster Seniorenforum vorbereitet hatte, war zufrieden: „Elf Aussteller sind gekommen, niemand hat abgesagt.“
Das große Angebot für Senioren - egal, ob in Bezug auf Sport, Weiterbildung oder Freizeit - kann sich sehen lassen, das wurde sehr schnell deutlich. Die von Andreas Vollmert moderierten Talkrunden zeigten aber auch, dass das Leben im Alter Fragen aufwirft: So stießen die Informationen des Kölner Vereins „Neues Wohnen im Alter“ auf große Resonanz. Und wenn der Senior zum Pflegefall wird, gibt es eine Menge zu beachten. Diese Themen sollten erneut aufgegriffen werden.