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Über den Kölsch-Alt-Äquator

Von Christoph Pütz
Die Städte Kaarst und Langenfeld wollen auf kommunaler Ebene stärker kooperieren. Bei einem Besuch der Langenfelder Verwaltungsspitze am Donnerstag stellten beide Seiten Details vor.
Wenn einer den Kölsch-Alt-Äquator überschreitet und dabei sogar noch die Rheinseite wechselt, muss das einen ganz besonderen Grund haben. So geschehen am Donnerstag : Magnus Staehler, Bürgermeister der Stadt Langenfeld, kam mit großem Tross nach Kaarst. Sinn und Zweck des Treffens mit der benachbarten Verwaltungsspitze: kommunaler Gedankenaustausch. Das hört sich zunächst nach einem freundlichen Pflichtbesuch an. Es ist aber viel mehr. Denn die Stadt Langenfeld hat viele Gemeinsamkeiten mit Kaarst - und beide Städte wollen enger kooperieren.
Das zarte Pflänzchen der Beziehungsannäherung ist schon zu einem stattlichen Strauch der Harmonie herangewachsen - denn schon seit mehreren Jahren sind beide Städte miteinander in Kontakt. Am Donnerstag wurden handfeste Ergebnisse berichtet. Bürgermeister Franz-Josef Moormann fasste zusammen: „Von Langenfeld können wir im Bereich Gebäudewirtschaft etwas lernen.“
Denn im Nachbarort wird diese schon länger mit Erfolg praktiziert. Ebenfalls aus dem Kontakt erwachsen ist folgende Erkenntnis des Kaarster Bürgermeisters: „Wir werden uns vom klassischen Hausmeistermodell verabschieden.“ Das bedeutet: Poollösung und Hausmeister, die auch als Handwerker mit eingreifen. Auch bei den Pensionsrückstellungen ist Langenfeld Kaarst voraus. Denn auf die Kommunen kommt eine Kostenlawine zu.
Der Rückzug aus der Ruhegehalts- und Zusatzversorgungskasse wäre eine Möglichkeit zur Kostensenkung. „Doch bisher war das Problem, dass dann Abstandssummen in Millionenhöhe zu zahlen wären. In Langenfeld wird gerade an Fondmodellen gearbeitet, um das zu verhindern“, so Moormann. Kaarst will sich bei den Langenfeldern sachkundig machen, um gleiches zu erreichen.
Und auch die Nullverschuldung, die Bürgermeister Magnus Staehler anstrebt, ist für Moormann eine Ziellatte: „Dieses Ziel finde ich hervorragend - wir werden aber etwas langsamer sein als die Langenfelder Nachbarn“, deutet Moormann an. Denn die Langenfelder leben finanziell im Schlaraffenland.
Bürgermeister Staehler berichtet nicht ohne Stolz: „Wir sind ein Meister der Entschuldung. Bei uns beträgt der Schuldenstand pro Einwohner nur 145 Euro. Damit sind wir top bei den Städten über 50 000 Einwohner.“ Und der erste Bürger der 60 000-Einwohner-Stadt spricht ehrgeizige Ziele aus: „In spätestens drei jahren wollen wir die erste Stadt Deutschlands ohne Schulden sei.“
Wie ist es aber zu erklären, dass die Langenfelder, die offensichtlich auf breiter Front die Nase vorn haben, an einer kommunalen Zusammenarbeit mit Kaarst interessiert sind? Zum Beispiel dadurch, dass die Langenfelder eine Feuerwache bauen wollen - die soll ungefähr acht Millionen Euro kosten. Und in Sachen Feuerwache haben die Kaarster die Nase vorn, wird die neue Wache noch in diesem Herbst in Betrieb gehen.
Da kann die Verwaltungsspitze so einiges an Tipps und Ideen Richtung andere Rheinseite weitergeben. Und auch für die Kaarster Innenstadtgestaltung fand Staehler Worte höchsten Lobes: „Ich kann Kaarst nur beglückwünschen zu seiner Stadtmitte, die Bildung, Sport und Jugend vereint, durch prächtige Grünzüge durchzogen ist und fast schon italienisches Flair hat - mein Baurat denkt schon.“
Dabei hatten sich die Langenfelder vor einigen Jahren bereits kompetente Hilfe aus Kaarst geholt: Heinz Preckel hatte in Langenfeld Einkaufsarkaden entworfen und gebaut - und die sind eine Publikumsmagnet, ziehen die Käufer scharenweise in die City. In der eigenen Stadt Kaarst hat Preckel bisher allerdings noch keine Gelegenheit erhalten, gestalterisch mitzumischen. Seine Vorschläge für eine Aufwertung des gesamten Bereiches Rathausplatz und Maubiscenter sind in der Verwaltung bisher nur als Ideenanregung zur Kenntnis genommen worden.
INFO:
Langenfelder Bürgermeister für Sparkassenerhalt
„Das einzige, was uns trennt, ist die Kreisverwaltung“, meinte Kämmerer Heinz Dieter Vogt gestern mit einem lachenden Auge. Offensichtlich gibt es aber weitere Unterschiede - zum Beispiel bei der Sparkasse. Denn im Gegensatz zum Kaarster Bürgermeister setzt sich der Kollege Magnus Staehler aus Langenfeld für den Erhalt der Langenfelder Sparkasse ein. „Wir verteidigen unsere Selbständigkeit bis zum letzten Atemzug“, so sein Originalton gestern. Und weiter: „Ich bin bei unserer Sparkasse eindeutig der Meinung: Größe ist nicht Stärke.“ Damit widersprach der Langenfelder Bürgermeister exakt dem Schluss, den Wirtschaftsprüfer Peter Welling in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses gezogen hatte. Allerdings zu beachten: Die Langenfelder Sparkasse verfügt mit einer Bilanzsumme von 1,3 Milliarden Euro über ein Vielfaches der Kaarster Kollegen.