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Der "Neue" will es richten

INTERVIEW

NGZ vom 31.Juli 2004
Auf Heinz Wieland, den neuen Vorsitzenden der Sportgemeinschaft (SG) Kaarst, wartet eine schwierige Aufgabe: Verlorene Mitglieder zurückzugewinnen, die Stadtsparkasse Kaarst-Büttgen als wichtigsten Kreditgeber bei Laune zu halten. Redakteur Dr. Christoph Pütz sprach mit Wieland über seine Pläne und Strategien.

Herr Wieland, unter dem Vorsitz von Hubert Mieruch hatten viele Mitglieder das Vertrauen zum Vorstand verloren. Wie wollen Sie dieses Vertrauen wieder gewinnen?
Wieland Als erstes werden klare Führungsstrukturen festgelegt. Eine große Rolle wird dabei der neue Schatzmeister Karl-Heinz Flesch spielen. Der wird sich ganz auf die Finanzen konzentrieren. Und ich bin sicher, dass wir mit Flesch, der früher als Bilanzbuchhalter bei der WestLB gearbeitet hat, den richtigen Mann gefunden haben. Der alte Vorstand hatte die Arbeit des Vorsitzenden und die des Schatzmeisters nicht immer klar auseinander gehalten.

Was wird sich denn - abgesehen von den Führungsstrukturen - als erstes ganz konkret ändern?
Wieland Wir wollen das Ohr dichter an den Mitgliedern dran haben. Jeder, dem etwas nicht passt, kann direkt zum Vorstand kommen. Dafür habe ich ein Büro im Konferenzzimmer eingerichtet. Dienstags von 20 bis 21 Uhr und donnerstags von 11 bis 12 Uhr stehe ich den Mitgliedern dort zur Verfügung. Weiterhin haben wir vor, die Position eines Pressesprechers einzuführen. Im Bistro-Bereich soll es mehr Events geben. Das Bistro bleibt weiterhin unter der Leitung der SG Kaarst. Ein externer Anbieter hat die Räumlichkeiten gemietet, um dort Kabarett- und Kulturprogramm anzubieten.

Abgesehen von besserer Pressearbeit-wie will sich die SG Kaarst der Öffentlichkeit verstärkt präsentieren?
Wieland Die Sportgemeinschaft Kaarst veranstaltet am 4. September einen Benefizlauf durch die Kaarster Innenstadt - und zwar im Rahmen des Stadtfestes Kaarst total. Damit soll die Leukämie-Aktion „Für Dich" unterstützt werden, die das Startgeld erhalten wird. Ob Jung oder Alt, Firmengruppen oder alle, die sich für das Laufen interessieren. Alle können dann auf die rund drei Kilometerlange Strecke gehen. Die erste Frau und der erste Mann erhalten jeder einen Pokal. Es wird noch einen Sonderpokal geben, und zum ersten Mal wird auch ein Firmenwanderpokal an eine Firma vergeben.

Nicht nur die SG Kaarst-Mitglieder, auch die Stadtsparkasse Kaarst-Büttgen müsste ihnen eng am Herzen liegen - schließlich hat die Sparkasse 2,7 Millionen Euro für den Bau des Gesundheitszentrums geliehen. Wie sieht die Finanzlage zurzeit aus?
Wieland Von den 2,7 Millionen Euro sind erst rund zwei Prozent pro Jahr getilgt. Die Stadtsparkasse hat uns einen Überziehungskredit von 150 000 € gewährt. Natürlich wollen wir eine moderate Verzinsung erreichen und die Stadtsparkasse von unserem neuen Konzept überzeugen. Um bald schwarze Zahlen zu schreiben, haben wir folgendes vor: Ganz oben steht die Mitgliederwerbung. Es hatte sich gezeigt, dass einige doch lieber private Fitnessstudios aufsuchen, weil sie die Verpflichtung, einer Mitgliedschaft wie bei der SG Kaarst nicht wollen. Dieser Zielgruppe werden wir Anreize durch besondere Konditionen geben. Wir wollen auch Oberstufen der Gymnasien ansprechen, denen unser Haus zeigen und Sondertarife anbieten. Auch an Gruppentarife - zum Beispiel für Sparkassenmitglieder, Ikea-Mitarbeiter und andere denken wir nach. Außerdem wird der Vorstand alle 200 Mitglieder, die wegen des Verzehrbons ihre Mitgliedschaft gekündigt hatten, anschreiben. Die wollen wir wieder gewinnen, indem wir ihnen ein oder zwei Monate Gratismitgliedschaft anbieten. Eventuell muss über eine Erhöhung des Vereinsbeitrages von bisher 1,70 € nachgedacht werden.

Zum Thema Verzehrbon: Dessen Einführung durch den alten Vorstand hatte im vergangenen Jahr zu Massenaustritten geführt. Wird der neue Vorstand den Verzehrbon wieder aufheben?
Wieland Der Verzehrbon läuft im Juni 2005 aus - bis zu diesem Zeitpunkt wird sich auch nichts daran ändern. Ich denke, es war nicht unbedingt der Verzehrbon selbst, der die Leute erbost hat. Es war vielmehr der Stil des Anschreibens, das die Mitglieder über die Einführung des Bons informierte.

Wie ist Ihr Verhältnis zum alten Vorstand? Gibt es da noch einen Austausch?
Wieland Bisher hat es zwar noch keine Übergabe gegeben, ich werde mich mit dem alten Vorstand aber in kurzer Zeit treffen. Es muss noch einmal ausdrücklich anerkannt werden, dass ohne Hubert Mieruch das Gesundheitszentrum wohl nie gebaut worden wäre. Mit dem alten Vorstand stehe ich in engem Kontakt, möchte gern dessen gute Connections nutzen. Mit dem ehemaligen zweiten Vorsitzenden Markus Steins rede ich gerade über die Homepage der SG Kaarst, die schon seit längerer Zeit brach liegt.